23. Türchen - Montag, 23.12.2019

Heute persönlich... Josef

Was für eine Bürde... Mein Gott, warum hast Du gerade mich in diesen unruhigen Zeiten ausgesucht? Bin ich all den Anforderungen, all Deinen Prüfungen gewachsen? Bin ich wirklich der Richtige? Meine liebe Frau Maria ist hochschwanger. Große Sorgen belasten mein Herz, rauben mir fast den Verstand, lähmen meine Handlungsfähigkeit. Werden meine Frau und unser ungeborenes Kind diese Reise unbeschadet überstehen? Wie niederträchtig – jetzt sind wir gezwungen unser Kind in einem schmutzigen Stall zwischen Tieren zur Welt bringen. Was haben wir getan, eine solche Abwertung zu erfahren? Wut und Trauer verklären meinen Verstand. Kann unser Kind unter solch erbärmlichen Umständen überhaupt gesund zur Welt kommen? Was ist mit Maria? Die Strapazen der langen Reise haben sie bereits extrem geschwächt. Womit haben wir das verdient? Mein Gott! Warum setzt du mich einer solchen Prüfung aus? Hast Du Zweifel an meinem Glauben zu Dir? Ich möchte verzweifeln...

Ich habe Angst, unser Kind in eine ungewisse und unsichere Welt zu geben.

Lieber Gott!

Schenk mir Kraft, trotz aller Zweifel und Ängste ein guter Ehemann und sorgender Vater zu sein. Schenk mir Vertrauen in meine Fähigkeiten und schenk mir vor allem Vertrauen in Deine Gnade und Liebe. Lass mich nicht zweifeln, guter Gott! Die Zeiten sind schwer, ungewiss, ja gefährlich. Woher kommt all der Hass, die Ablehnung und diese Ausgrenzung, die wir erfahren?

Was bedeuten noch Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft in dieser Zeit, die so sehr von Narzissmus und menschlicher Verrohung geprägt ist? Mitgefühl, Brüderlichkeit und Toleranz... hinweggefegt durch Egoismus und Materialismus. Was sind das nur für Menschen, die uns wegen unseres Glaubens, unserer Herkunft, unseres Aussehens hassen? Woher kommt diese Wut gegen alles Fremde?

Sind wir nicht alle Kinder des einen Gottes? Werden die Häscher des Königs unseren Sohn aufspüren? Muss ich mit meiner Familie ins Ausland fliehen? Bitte Herr, sende mir ein Zeichen, gib mir Antworten... Die Sorge um meine Familie raubt des Nachts den Schlaf. Zorn, Hass und Neid gegen Dein Volk vergiften auch die Seele all derer, die stets rechtschaffend nach Deinem Wort gelebt haben.

Mein Herr und Gott, stärke meinen Glauben und mein Vertrauen in Dich! Zerstreue all die Zweifel derer, die unsicher werden, an Dir und Deiner Liebe zweifeln, aus Angst und Unsicherheit ihre Ideale, ihren wahren Glauben verraten. Lass mich ruhig werden, guter Gott, schenk mir durch den Glauben zu Dir die Kraft, die ich brauche, um meine Familie sicher und umsorgend in dieser Zeit zu führen und zu leiten. Guter Gott, gib mir die Kraft so zu leben, wie Du es wünschst, dass ich lebe.

Hab Dank, dass ich all meine Sorgen dir anvertrauen darf. So hast Du mich doch immer wieder sicher durch finstere und schwere Zeiten geführt. Dieses Wissen, das Vertrauen in Dich lässt mich ruhig werden. Ich will glauben, ich lege unser Leben in Deine Hände.

Text: Matthias Heinrich, Jahrgang: 1968, Rektor Grundschule, Pr. Oldendorf

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