22. Türchen - Sonntag, 22.12.2019 - 4. Advent

Heute persönlich... Der Engel

Es begab sich zu einer Zeit, in der ein römischer Kaiser namens Augustus herrschte, als ich einen göttlichen Auftrag bekam. Mir wurde die Ehre zuteil, die frohe Botschaft über die Rettung der Menschen zu verkünden. Ich fühlte mich geehrt und mulmig zu gleich. So war es doch eine wichtige Aufgabe, dessen Durchführung gut durchdacht werden musste. Wann wäre der beste Zeitpunkt, um auf die Erde zu kommen? Wie würden die Menschen auf meine Erscheinung reagieren? Denn welcher Mensch war schon einmal einem Engel begegnet? Aber die wichtigste Frage war es doch ob sie meinen Rat befolgen würden.

Es war mir ein Bedürfnis, mit meinem engsten Vertrauten unter den Engeln darüber zu sprechen. Ich war froh mich dazu entschlossen zu haben, denn er ermutigte mich und gab mir die nötige Kraft, meine Vorgehensweise zu planen und meine Worte zu wählen.

Am Tag der Rettung beobachtete ich das Geschehen. Josef und Maria waren auf dem Weg nach Bethlehem. Josef tat, was er konnte, um der hochschwangeren Maria den Weg zu erleichtern. Doch die Suche nach einer Herberge gestaltete sich schwierig. Aufgrund der Volkszählung, die der Kaiser angeordnet hatte, waren viele Reisende unterwegs, sodass alle Unterkünfte belegt waren. Während ich dies voller Sorge beobachtete, trat ein weiterer Engel an meine Seite und berichte, dass Maria und Josef in einem Stall unterkommen würden, dafür hätten einige Engel gesorgt. Der Retter sollte also in einem Stall geboren werden? Wo würde Maria ihr Kind betten können? Würden die Hirten stutzig werden, ob der Heiland tatsächlich in einem Stall geboren werden würde? Fragen über Fragen, doch die Antwort bekam ich erst, als es wirklich soweit war. Bevor ich die Hirten auf den Weg leiten würde, schaute ich mir den Weg genau an. Auch den Stall konnte ich sehen, die anderen Engel hatten wahrhaftig gute Arbeit geleistet. Der Stall war vorbereitet, die Krippe war mit Stroh ausgelegt, sodass Maria ihr Kind betten könne. Jetzt lag es nur noch an mir, die frohe Botschaft zu verkünden. Also machte ich mich auf den Weg.

Die meisten Schafe der Herde schliefen, als ich auf dem Feld ankam. Die Hirten wachten über sie. Ich trat zu den Hirten heran und erhellte sie in meinem Licht. Ihre Furcht konnte ich in ihren Augen erkennen. Also sprach ich: „Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch große Freude!". Die Hirten hörten mir aufmerksam zu. Ich berichtete ihnen von der Geburt des Sohnes Gottes. Neugierig machten sie sich auf den Weg zum Stall, wo Maria und Josef das Kind gebettet hatten.

Und als ich da stand, im Stall in Bethlehem, wo alle zusammen gekommen waren, um den Sohn Gottes willkommen zu heißen, wiederholte ich den Tag in meinen Gedanken. Dabei wurde mir einiges klar: Dieser Tag war so ein besonderer Tag geworden und die Verkündung der Rettung war gut gelungen, weil alle Engel mitgewirkt hatten. Jeder hatte eine Aufgabe übernommen und wir hatten uns gegenseitig gestärkt. So wie die Hirten gemeinsam auf die Schafe achteten und Josef Maria auf dem Weg unterstützte. Ich wusste, dass uns eine neue Zeit in Gemeinschaft und Stärke bevorstand und freute mich.

Text: Marleen Knurr, Jahrgang 1995, Erzieherin, Brockum

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