21. Türchen - Sonnabend, 21.12.2019

Heute persönlich... Der Bettler Aaron

Das kann doch wohl nicht wahr sein. Hier in Betlehem ist ja der Bär los. Ich, Aaron, sitze hier an der Straße und bettle mir einen Wolf, damit ich über die Runden komme. Aber irgendwie ist im Moment alles anders. Eine komische Stimmung ist in der Stadt.

Na ja, wird sich wohl alles wieder beruhigen. Vielleicht haben die vielen Leute ja ein lockeres Händchen und geben mir ein paar Münzen. Aber was mag da wohl hinter dem Geheimnis stecken, das sich um das Paar bildet, das in dem kleinen Stall am Stadtrand ein Kind zur Welt gebracht hat? Muss ja wohl etwas Besonderes sein, Schaue ich da doch mal vorbei, vielleicht lohnt es sich.

So etwas habe ich nicht gesehen. Ein Säugling im Stall und viele Menschen staunen an der Krippe über das Neugeborene. Ich habe es mir auch angesehen. Und plötzlich war ich wie verzaubert. Das Kind kann noch nicht richtig sehen, nicht sprechen und doch kann es sich auf unsichtbare Weise mitteilen.

Plötzlich spüre ich etwas Übersinnliches, das zu mir spricht durch dieses Kind. „Hey Aaron, ja du, ich habe dich nicht vergessen. Auch du bist mein Sohn. Du hast es im Leben nicht leicht, hast oft etwas einstecken müssen. Und doch lebst du nicht vergebens. Raff dich auf, mach etwas. Lass dich nicht hängen. Ich traue dir einiges zu."

Da hat mich tatsächlich Gott gerufen, durch dieses kleine Kind im Stall. Was hat das zu bedeuten? Ja, hier bin ich, Aaron, der kleine Bettler, der von Gott eine Nachricht bekommen hat. Ich werde mein Leben ändern.

Doch was soll ich nur machen? In meinem Leben ist so ziemlich alles schief gegangen, was man sich vorstellen kann. Na ja, ganz unschuldig war ich daran sicher nicht. Leichtsinn, falsche Freunde, Übermut. Eben alles das, was in den Abgrund führt habe ich hinter mir. Wie komme ich nur aus diesem Schlamassel raus?

Doch wenn Gott durch dieses kleine Kind zu mir spricht, wird es sicher einen Grund haben. Vielleicht habe ich noch eine gute Zukunft und brauche nicht auf der Straße verrecken?

Und wenn doch, dann weiß ich wenigstens, dass mein Schöpfer mich nicht vergessen hat, denn er hat durch ein kleines Kind im Stall zu mir gesprochen.

Text: Georg Kaiser, Jahrgang 1956, Zollbeamter, 49163 Bohmte

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